
Seit ihrem Umzug von Köln nach Berlin Anfang des Jahres 2009 zeigt
Galerie BQ mit
Alexandra Bircken „Alles muß raus!“ die dritte Ausstellung in temporären Ausstellungsräumen. Für die Show wurde ein Ladenlokal am Walter-Benjamin-Platz angemietet – ein stadtplanerisches Großprojekt in Charlottenburg, das von dem deutschen Architekten Hans Kollhoff entworfen und 2001 fertiggestellt wurde.
Alexandra Birckens Arbeiten treten auf sehr eigene Art und Weise in Verbindung mit dem von Kolonnadengängen geprägten neoklassizistischen Platz. Die Objekte, in denen
Bircken Fundstücke aus der Natur und dem Konsumkreislauf entnommene Produkte miteinander verbindet, heben sich stark von der rationalen Architektur ab. Gerade die Strenge und Nüchternheit des Platzes machen auf den prozessualen Charakter und den intendierten Zustand der Unperfektion der Skulpturen aufmerksam, so dass Zufälligkeit assoziiert wird.
In
Birckens Arbeiten geht es um Stoffe, organische wie auch maschinell oder von Menschenhand hergestellte Materialien. Es geht um Prozesse, um Weiterverarbeitung und um den Übergang in den ökonomischen Kreislauf. Diese Vorgänge treten besonders bei der Rauminstallation „Quelle“ in den Vordergrund. Ein auf den ersten Blick willkürlich zusammengestellter Raum, der durch ein dreiteiliges Holzgestell gerahmt wird. Der Rahmen schließt die Arbeit jedoch nicht ab, einzelne Elemente wie Jeanshosen, eine Eisenstange mit Werkzeug und Alufolie verbinden sich mit diesem und eröffnen einen Übergang zu den Objekten sowie zum Betrachter im Raum. Hier ist ein Bezug zu einer früheren Werkreihe der „Diagramme“ von
Alexandra Bircken zu sehen, in welchen sich die sorgfältig aufgereihten Elemente im Holzrahmen jedoch deutlich vom Außenraum abgrenzen. Doch die Form des Holzgestells bei „Quelle“ bricht sich selbst. Einzelne Holzleisten verlaufen quer, nicht dem eigentlichen Aufbau folgend. Zudem sind an zahlreichen Leisten, teils in den Ecken, teils mitten auf der Leiste, goldene Haken eingeschraubt, die jedoch keine logische Funktion haben. Nur an einem Haken hängt eine Jeans. Die Arbeit erweckt den Eindruck einer zufälligen Anhäufung von Dingen, die zudem noch ihrer ursprünglichen Funktion enthoben scheinen. Gebrauchte Teebeutel mit losem Tee hängen an einem mobiléartigen Drahtgestell, welches von einer Plastiktüte umwoben ist. Eine vertrocknete Grünpflanze steht in Erde, die mit Wachs überzogen wurde, daneben ein getrockneter Pfannkuchen. Ein Stecker ist in das Holzgestell gesteckt, der zu einem alten Drucker führt. Ein Umzugskarten ist mit Kleidungsstücken gefüllt, neben ihm ein blauer Plastiksack mit Schaumstoff und getrocknetes, teils in Stücke geschnittenes Obst. Hier geht es um die Zusammenhänge und Wandlungen von Stoffen der Zivilisation, es geht um Funktionsentfremdung, um Wegwerfmechanismen, um die Auflösung und auch Hervorhebung des Nutzens der Stoffe, die miteinander in einen Dialog treten.
Der prozessuale Charakter von
Birckens Skulpturen erweitert das Medium Skulptur und lässt neue Diskurse darüber entstehen. Ihre Ausbildung als Modedesignerin am Saint Martins College in London scheint ihr einen ganz anderen Blick auf die Mechanismen und Ausdrucksmöglichkeiten des Kunstmarktes zu geben. Eine extrem interessante und sehenswerte Ausstellung.
Alexandra Bircken „Alles muß raus!“ bei BQ – Temporärer Ausstellungsraum
Walter-Benjamin-Platz 3 (Berlin-Charlottenburg),
noch bis zum 19.12. jeweils von Di-Fr von 13-18 und Sa von 11-18h geöffnet
www.bqberlin.de