
Das Berliner Magazin für „pop cultural views on global issues“ mit dem Namen „Style And The Family Tunes“ ist mit 225 Seiten für sehr faire 5€ nicht nur dicker als die meisten Bücher, die sich beim durchschnittlichen Fussball-Profi im Regal finden lassen, sondern bei seinem Preis-Leistungsverhältnis besser investiert als ein mehr als doppelt so teures Ticket für einen sichtbehinderten Platz (günstigstes Ticket 12,50€) bei der spielbehinderten Hertha aus Berlin.
Die aktuelle Ausgabe mit dem Themenbezug „Shape it!“ setzt sich mit „Formgebern und Formvollendern“ in Kunst, Musik, Gesellschaft und Mode auseinander. In deutsch und englisch in zumeist sehr knappen Beiträgen hangelt man sich relativ ungezwungen am vorgegebenen Themenschwerpunkt entlang.
Was im Englischen chic Pulp genannt wird ist in seiner deutschen Übersetzung einfach demaskierend als Schund- oder Trivial-Literatur bezeichnet. Der Edgar-Allen-Poe-Preisträger Charles Ardai hat anhand einiger Bildern von Neil Krug den Einstieg in eine sofort fesselnde Geschichte geliefert, die dem Leser die ausgebrannte Striptease Tänzerin Dolores vorstellt. Sehr, sehr schade, dass man auch dieser Story nicht mehr Raum gegeben hat.
Sehr interessant und erfreulich weniger komprimiert werden der Kunstform Performance einige Seiten gewidmet. Performances sind oftmals wenig zugänglich, zuweilen abstoßend, irritierend und bei laienhaftem Kenntnisstand der „Konsumenten“ nicht selten harscher Kritik ausgesetzt. Für diese Ausführungen bin ich persönlich sehr dankbar.
Der Ausflug in Street-Art-Gefilde ist natürlich obligatorisch und ein Muss auch in der style and the family.tunes. Darüber hinaus wird den Musikfreunden ein Retro-Elektro Projekt vorgestellt, der kusierende Hype der zeitgenössischen „Klassik“ zu erklären versucht und den selbstbewussten, starken, weiblichen neuen Acts im Bereich elekronischer Musik der rote Teppich ausgebreitet.
Die glossy und großformatigen Fotografien erscheinen mir erstaunlich konservativ, viel schwaz-weiß und erstaunlich brav.
Der Online-Auftritt des Magazins ist leider in manchen Bereichen recht prollig, wenn die Online-Redaktion nicht einen ausgeprägten Hang zu Ironie pflegen sollte: „Wer wir sind: Wir haben uns in mehr als 100 Ausgaben der ‚Style & The Family Tunes‘ einen hervorragenden Ruf im Print erarbeitet und einen starke Leserbindung erreicht. Wir sind der Kommunikationskanal der Wahl für eine internationale Community mit hohen Ansprüchen. Stylemag.net ist die logische Konsequenz daraus und bietet online eine Plattform für Connoisseure, Individualisten, kultivierte Konsumenten, Tastemaker, Opinion Leader, Early Adopter, Pioniere, Fashionistas, Medienmenschen,Party People, die Checker, Kreativen und Einflussnehmer, die Macher.“ Puh!
Sehr interessantes Print-Magazin mit deutlichem Kultur-Schwerpunkt.
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