Die Band, die sich den martialischen Namen THE BURNING HELL gab, stellt ihr neues Album „BABY“ vor. Dem Bandnamen nach könnte man hier auf eine Sreamo-Emo-Metal-Core-Band schließen, aber lasst Euch nicht in die Irre führen. Diese Band täuscht rechts an, tunnelt dich, zieht links an Dir vorbei und schlenzt das Leder ins lange Eck. Man kann nur zusehen und staunen. Jeder Versuch der Gegenwehr macht ihre Überlegenheit nur noch deutlicher. So oder so steht man am Ende mit heruntergelassenen Hosen vor diesem Album und man hat lediglich die Wahl die Größe der Platte anzuerkennen oder selbstentwaffnend in Schamesröte zu versinken.
Um Kopf und Frontmann Mathias Kom tummeln sich bis zu 13 weitere Bandmitglieder, die zudem bei Live Auftritten noch den ein oder anderen Gast mitbringen. Die Instrumentalisierung bekommt durch Ukulele, Violine, Banjo, Trompete, Lap Steel Gitarre einen deutlichen „Folk“ Stempel aufgedrückt. Dabei liegt der Schwerpunkt aber nicht auf schwermütige Sentimentalität, sondern kommt mit ironischer Leichtigkeit und Lebensfreude, auch wenn die Lyrics bei allem Witz sehr wohl eine Message mitbringen.
Mathias Kom erschafft mit seinen Texten Welten in unserer Welt. Die Perspektiven sind alles andere als gewöhnlich und die Geschichten voller Humor und Sensibilität. Durch „BABY“ werden wir Zeugen des unaufhaltsamen Weltenlaufs. Ein Baby will zurück in den schützenden Mutterleib, weil die „neue Welt“ ist wie sie ist. Das Instrumental-Stück „Mosquito“ scheint hingegen das simple und kurze Leben des Insekts nachzuvollziehen. SSSSSSSSSSSSS… Dann taucht man in die tragische Geschichte eines Mannes, der einen Mann liebt, der wiederum sein Herz an eine Frau verlor, die sich einem anderen Mann verschrieb. Tragisch genug, aber THE BURNING HELL scheint mit der Dramaturgie erst dann zufrieden zu sein, wenn alle vier den Tod gefunden haben. Etwas politisch wird es wenn die Tierwelt auf ihre Rechte hingewiesen wird und der Sänger in einem weiteren Stück die Rolle Bismarcks bei der kolonialen Aufteilung des schwarzen Kontinents einnimmt. Durch ein Synthie ergänzt nimmt der Track „When The World Ends“ futuristische Züge an. Die Band fragt, ob zum Ende der Welt die DJs Disco spielen und alle den „Apocalyso“ tanzen.
Der desillusionierde und teils fast depremierende Inhalt der elf Songs wird in unfassbare Komik verpackt. Mathis Kom scheint der Devise zu folgen, dass das Leben nicht so schwer ist wie wir es uns manchmal machen. Vielleicht plädiert er aber auch dafür nicht das Schlaraffenland zu erwarten und stattdessen kleinere Brötchen zu backen. THE BURNING HELL geben viel Platz für Interpretationen. Durch ihr musikalisches Können und gerade durch ihren Umgang mit Sprache wird einem wieder sehr bewusst, dass Musik auch in Zeiten von flachem Mainstream Kunst sein kann. Grooooßartig!!!
VÖ 25.09.2009
www.myspace.com/mathiaskom
www.wearetheburninghell.com
www.weewerk.com
www.roughtrade.de

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