Im HAMBURGER BAHNHOF – Museum für Gegenwart zeigt die Nationalgalerie unter dem Titel „DIE KUNST IST SUPER!“ eine sehr interessante Neupräsentation ihrer Sammlung. Werke der Nationalgalerie, der Sammlungen Marx und Marzona und der Friedrich Christian Flick Collection werden hier in thematischen, monografischen und motivistischen Konstellationen, in Dialogen und Einzelauftritten präsentiert. Die Bestände des Museums werden dabei durch Leihgaben anderer Berliner Museen und auch durch jene von Künstlern, die zum Teil extra für die Räume des HAMBURGER BAHNHOFs konzipiert wurden ergänzt. Die Austellung gliedert sich räumlich in 6 Bereiche des ehemaligen Kopfbahnhofs mit seiner neoklassizistischen, von zwei Türmen flankierten Fassade.
Im Erdgeschoss werden Werke ausgestellt, die der Fluxus und Happening Strömung zugerechnet werden. Ihre Vertreter, unter anderem George Brecht, Joseph Beuys, June Paik oder Allan Kaprow erforschten neue Materialien, Alltagsgegenstände, Lebensmittel und Medien und strebten seit den frühen 1960er Jahren eine Erweiterung und Entgrenzung des Kunstbegriffs an.

(Joseph Beuys)
Im Westflügel wird dabei dem Schaffen von Joseph Beuys besondere Aufmerksamkeit eingeräumt. Hier wird dem Besucher ein Einblick in die Gesamtheit des Denkens von Beuys vorgestellt. Sein Werk ist vielen hinlänglich bekannt, die bedeutendsten Arbeiten gemeinsam erleben zu können stellt einen besonderen Reiz dar. Mein Favorite unter Beuys Arbeiten ist mit Abstand „Unschlitt“. 1977 war diese Arbeit Beuys´ Beitrag zu der Skulpturen-Ausstellung in Münster. Beuys wollte mit diesen riesigen Fett-Blöcken dem Concrete-Jungle die rauhe Oberfläche nehmen und die Fett-Blöcke wie einen heilenden Balsam wirken lassen. Damals behauptete Beuys: „Fett. Ein bisschen Fett. Mit ein bisschen Fett geht alles.“ Die verarbeiteten 20 Tonnen Fett waren natürlich nur der obligatorische Tropfen auf dem heißen Stein, aber selbst ein Tropfen kann bekanntlich Fässer zum überlaufen bringen.
In der Kleihueshalle werden Arbeiten zum Thema Vanitas gezeigt. Hier werden Werke sehr unterschiedlicher Künstler wie zum Beispiel Warhol, Kiefer oder Rauschenberg in Dialog zueinander gesetzt. Statt der kunsthistorischen Vorbilder, die in ihren Werken mit Schädeln, Uhren und Spiegeln an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnern, präsentieren die Gegenwartskünstler Gangsterdarsteller James Cagney in einer Erschießungsszene (Warhol) oder Gipsabdrücke Verstorbener.
In der zentralen ehemaligen Industriehalle des Gebäudekomplexes wird der Betrachter in ein Spiel von Realität und Illusion, Geschichte und Gegenwart eingebunden. So hat beispielsweise der polnische Künstler Robert Kusmirowski einen historischen Güterwaggon maßstabsgetreu aus einfachen Materialien nachgebaut („Waggon“). Roman Ondáks hat in seiner Installation „It will all turn out right in the end“ die Simplizität der äußeren Erscheinung mit der detailreichen Nachbildung der Turbinenhalle der Tate Modern in London im inneren der großen Kiste konterkariert.

(Hans-Peter Feldmann)
Im Obergeschoss werden Arbeiten von Gerd Rohling und Alfred Keller auf der einen Seite und von Lyonel Feininger, Hans-Peter Feldmann und Jochen Alexander Freydank auf der anderen Seite unter den Titeln „Modellversuche 1+2″ gegenüber gestellt. Die sehr unterschiedlichen Ansätze der Künstler erfahren in der direkten Gegenüberstellung eine plötzliche Nähe. Besonders das „Schattenspiel“ von Feldmann beeindruckt durch seine Lebendigkeit und seinem fantastischen Ausdruck.

(Paul McCarthy)
In den Rieckhallen kommen Arbeiten unter anderem von bekannten Künstlern wie Wolfgang Tillmans, Rodney Graham, Paul Mc Carthy, Thomas Ruff, Konrad Klapheck zur Geltung. Unbehaustheit wird dem wohnlich eingerichtetem Heim gegenüber gestellt. Minimal Art und monumentale Werke ergänzen sich in dem hinter dem Haupthaus liegenden Lehrter Güterbahnhof sehr eindrucksvoll.
„DIE KUNST IST SUPER“ gehört zum Pflichtprogramm für Berliner und Touristen!
DIE KUNST IST SUPER!
05.09.2009 – 14.02.2010
PREIS DER NATIONALGALERIE FÜR JUNGE KUNST 2009
Keren Cytter, Omer Fast, Annette Kelm, Danh Vo
11.09.09 – 03.01.2010
PAUL PFEIFFER. THE SAINTS
10.10.09 – 28.03.2010
www.hamburgerbahnhof.de