

Das Kreuzberger SO36 genießt einen legendären Ruf. Was uns heute noch lebendig in den Ohren klingelt könnte bald zum verhallenden Echo werden, wenn Bezirksverwaltung, Vermieter und Anwohner das SO36 nach 30 Jahren zum Schließen zwingen. Der Verlust des SO36 wäre ein weiterer Meilenstein der Yuppisierung des Kiezes, die eine schnelle Verdrängung der über Jahre gewachsenen Bewohnerstruktur nach sich ziehen würde.
Dass es nach 30 Jahren als Kulturzentrum am Ende an einer Schallschutzmauer liegen soll, ist für viele wenig nachvollziehbar. Hier ist allerdings der sich vollziehende Wandel im Kiez mit Sicherheit mit ausschlaggebend. Die Oranienstrasse ist chic und hipp. Der angesagte Kiez ist dadurch auch in den Fokus von Marklern gerückt und Eigentümer wittern die Chance ihren Besitz gewinnbringend zu veräußern. Dass diejenigen, die hier jetzt gern eine moderne und teure Wohnung in dem atmosphärischen Kiez beziehen möchten, wohlmöglich in wenigen Jahren schon weiter ziehen ist die andere Seite der Medaille. Überteuerte Mietpreise und eine zerstörte Bewohnerstruktur wären dann die Hinterlassenschaften, die die Situation in sozialen Brennpunkten Berlins noch zusätzlich verschärfen könnte.
Dass die Betreiber aber mit ausstehenden Mieten einen weiteren Angriffspunkt liefern, wie es zu hören ist, ist genauso unerklärlich. Vielleicht gab es finanzielle Engpässe, die bei jedem Unternehmen und jedem Verein auftauchen können. Für die Presse und das Gericht ist dies aber ein gefundenes Fressen um dem Club den Garaus zu machen.
Begonnen hat alles mit dem 1861 eröffneten Biergartenlokal, das den Durst der Berliner zu löschen versuchte. 1951 dann führte das Kino am Heinrichplatz als eines der ersten großen und modernen Lichtspielhäuser maximal 660 Besuchern Kassenschlager wie „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef in ihrer umstrittenen Rolle als Prostituierte vor. Ende der 60er Jahre fiel der letzte Vorhang vor der Leinwand und Künstler nutzten es vorübergehend als Ateliers. Erst 10 Jahre später wurden die Räume für Konzerte entdeckt. Der Untergrund fand hier seine Bühne und die provozierende Ausdrucksform der Bands wurde zum Sprachrohr der Jugend. Hier spielten DIE EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, DIE TÖDLICHE DORIS und sogar zum ersten Mal die DEAD KENNEDYS. Für Punks war es jetzt der Club und dennoch mussten 1983 die Tore geschlossen werden als der Pächter Konkurs anmeldete und die Bauaufsicht hier keine Veranstaltungen mehr zulassen wollte. Von 1984 bis 1987 war die Halle mal durch Besetzer vereinnahmt und mal als Ausstellungsraum genutzt. Am Ende dieser Jahre harter Auseinandersetzungen stand die polizeiliche Räumung aufgrund illegaler Nutzung.
1990 wurde unter neuer Trägerschaft und erstmals unter dem Namen „SO36″ eröffnet. Als basisdemokratisches Kollektiv versteht man sich in der Pflicht ein alternatives Kulturprogramm für die verschiedensten subkulturellen und politischen Gruppen zu sein. Konzerte progressiver Musik sind dabei längst nicht das einzige Programmangebot, aber wahrscheinlich das mit der größten Aussenwirkung. „Wir werden weiterhin ein Ort für kritische und innovative Stimmen und Töne jenseits des Mainstreams bleiben.“ Wie lange ihnen dazu noch Gelegenheit gibt liegt nach langem Kampf vermutlich nicht mehr in der Macht des Vereins.

Stellungname des Vereins auf www.myspace.com/dasso36
Donnerstag, September 24, 2009
Zur aktuellen Situation des SO36
Aktuelle Stimmung:sachlich
Da sich gerade aus aktuellem Anlass die Anfragen häufen, hier ein kleiner Kommentar dazu von uns:
Ja, wir haben eine Kündigung der Gesa (Hauseigentürmerin) erhalten. Der Kündigung wurde fristgerecht, per Anwalt widersprochen.
Ungeachtet dessen befinden wir uns mitten in einem konstruktiven Gespräch mit der Hausverwaltung und dem Bezirksbürgermeister.
Wir hoffen auf einen positiven Ausgang der Verhandlungen.
Darum bitten wir um Verständnis, dass seitens des SO36 bis auf weiteres keine Interviews dazu geführt werden.
Wir melden uns, sobald es Neuigkeiten gibt.
Euer SO36
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0924/seite3/0002/index.html
Spendenkonto:
Berliner Volksbank
KtoNr.: 209 057 30 23
BLZ: 100 900 00
www.so36.de